Mehr Sicherheit für Fuß- und Radverkehr
Verkehrsforum „Besser gehen, besser Radeln“ in Markkleeberg
Wie können Markkleebergs Straßen für Fußgängerinnen und Radfahrer sicherer werden? Welche Kreuzungen brauchen dringend Lösungen, und wo stößt die Stadt an ihre Grenzen? Diese Fragen standen im Mittelpunkt des zweiten Verkehrsforums „Besser gehen, besser Radeln“, das am 23. September 2025 im Kleinen Lindensaal stattfand. Eingeladen hatten der Bürgerverein Markkleeberg und der Landesverband Nachhaltiges Sachsen e.V. im Rahmen des Projekts „100fach mobil“. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzten die Gelegenheit zum Austausch mit Stadtverwaltung und Fachleuten.
Schwachstellen im Alltag ohne Auto sichtbar gemacht
In unserem Projekt „100fach mobil“ probierten teilnehmende Haushalte ein Jahr lang aus, wie der Alltag ohne eigenes Auto funktioniert. Dabei entdeckten sie zahlreiche Schwachstellen im Verkehrsnetz. In Workshops tauschten sie ihre Erfahrungen aus und brachten sie in einen Nahmobilitätscheck ein. Im Juni beging die Projektgruppe gemeinsam mit Stadtverwaltung, Ordnungsamt und Polizei besonders problematische Stellen vor Ort und besprach sie.
Die Ergebnisse des Checks zeigten deutlich: Wer ein Jahr bewusst ohne Auto unterwegs ist, erkennt Gefahrenstellen für Fuß- und Radverkehr besonders klar. Diese Erkenntnisse und die Stationen des Nahmobilitätschecks bildeten die Grundlage für die Diskussion im Verkehrsforum „Besser gehen, besser Radeln?“.

Austausch mit Stadtverwaltung und Fachleuten
Zu Beginn des Forums präsentierten wir von „100fach mobil“ die Ergebnisse des Checks. Zusammen mit Oberbürgermeister Karsten Schütze, Bürgermeister Olaf Schlegel, Rosalie Kreuijer vom ADFC Sachsen und Stadtplaner Fritjof Mothes besprachen die Teilnehmenden die besonders gefährlichen Stellen für Fußgängerinnen und Radfahrende. Moderiert wurde die Runde vom Bürgerverein Markkleeberg.
Im Fokus standen die beiden unübersichtlichen Kreuzungen in der Rathausstraße, die schlecht einsehbare Kurve in der Geschwister-Scholl-Straße, die unklare Radführung am Volksgut/Körnerplatz und die fehlende durchgehende Radverbindung an der Koburger Straße. Für einige dieser Stellen kündigte die Stadt bereits Maßnahmen an: Mit der Umgestaltung des Stadtzentrums zur „Neuen Mitte“ sollen auf der Rathausstraße bis zum Ring Tempo 20, Pflasterung und Querungshilfen mehr Sicherheit schaffen. Geplanter Start der Maßnahme ist Ende 2026. Auch die August-Bebel-Straße am Körnerplatz soll umgebaut und mit einer klareren Radführung ausgestattet werden. Für die Koburger Straße gestaltet sich eine Verbesserung schwieriger, da die Zuständigkeit beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr liegt.
Impulse aus dem Publikum
Weitere Anregungen kamen direkt aus dem Publikum. Ein Teilnehmer wies auf die problematische Querung am Schillerplatz in Markkleeberg Ost hin. Die Stadt erklärte, dass Verbesserungen hier nur schwer umsetzbar sind, da die Bornaische Straße dem Land gehört. Ein Mitglied des Behindertenvereins Leipzig mahnte, die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen stärker zu berücksichtigen. So fehlten etwa Ladestationen für E-Bikes und E-Rollstühle im Neuseenland.
Weitere Themen betrafen Schulwege und den morgendlichen Verkehr durch Elterntaxis, Konflikte zwischen Fußgängern und Rennradfahrern am Cospudener See sowie die Ausweitung von Tempo-30-Zonen. Oberbürgermeister Karsten Schütze betonte, dass Markkleeberg die Stadt mit den meisten Tempo-30-Anordnungen in Sachsen ist und rund um Schulen weitere Zonen eingerichtet werden sollen. Beim Radverkehr konnte die Stadt einen Erfolg vermelden: An der Bornaischen Straße sollen Radstreifen markiert werden. Das Publikum kritisierte jedoch das langsame Vorgehen und forderte eine konsequentere Umsetzung der Radverkehrskonzeption sowie eine stärkere Förderung nachhaltiger Mobilität.

Erfolge beim ÖPNV
Auch der Nahverkehr spielte eine Rolle. Daniel Andrae vom BürgerVerein berichtete von einem Erfolg der Petition für den Erhalt der S-Bahn-Anbindung von Markkleeberg, bei der über 8.000 Unterschriften zusammenkamen. Die angekündigte Angebotskürzung wurde teilweise rückgängig gemacht, so bleibt der Halbstundentakt nach Borna erhalten. Über die Haltepunkte der S5 in Großstädteln und Gaschwitz wird weiterhin verhandelt.
Fazit und Ausblick
Zum Abschluss fragte Moderatorin Constanze Weiß die Podiumsgäste, was sie tun würden, wenn sie Verkehrsminister oder -ministerin von Markkleeberg wären. Die Antworten reichten von der Umsetzung nachhaltiger neuer Ansätze in der Verkehrsplanung über beschleunigte Verfahren bis hin zu mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Bürgerinnen und Bürger.
Das Verkehrsforum zeigte: Markkleeberg ist auf dem Weg, fuß- und fahrradfreundlicher zu werden, auch wenn viele Maßnahmen Zeit brauchen. Entscheidend bleibt der kontinuierliche Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft. Unser Projekt „100fach mobil“ endet, doch das Engagement der teilnehmenden Haushalte für eine nachhaltige und sichere Mobilität in der Stadt soll weiterbestehen – beispielsweise über die Aktivitäten und Strukturen des Bürgervereins, der bereits Themen für ein drittes Verkehrsforum sammelt.
Förderhinweis:
Die Finanzierung des Projekts erfolgt durch die Initiative Mobilitätskultur von der Chrysantil Stiftung und der PHINEO gAG.
Die Finanzierung des Projekts erfolgt anteilig durch die ADAC Stiftung.
Die Finanzierung des Teilprojekts „Verkehrslabor: Verkehrswende in kleinen Städten erleben und mitgestalten!“ erfolgt durch die Sonnencent-Förderung der EWS Elektrizitätswerke Schönau.



